Bericht im SWR

Gesund & aktiv Selbstverteidigung

aus der Sendung vom Montag, 21.5.2012  | 18.55 Uhr | SWR Fernsehen in Rheinland-Pfalz

 

"Wer sich nicht wehrt, lebt verkehrt!" - Das wissen die meisten von uns. Theoretisch. Denn wenn es im Ernstfall drauf ankommt, kann es passieren, dass wir zu Salzsäulen erstarren statt uns zur Wehr zu setzen.

Wer einen Selbstverteidigungskurs beim Sportverein, an der Volkshochschule oder an einer Sportschule besucht, der trainiert bestimmte Verhaltensweisen und Griffe so intensiv, dass sie im Fall der Fälle einfach sitzen. Solche Selbstverteidigungskurse haben dabei nichts mit Kampfsport zu tun - im Gegenteil: gerade vermeintlich schwächere Menschen, Senioren, Kinder und auch Frauen können lernen, schon allein durch eine starke Ausstrahlung zu verhindern, dass sie zum Opfer werden.

Wir begleiten die Landfrauen von Bruchmühlbach aus der Pfalz zu einem Selbstverteidigungskurs. Ihre "starke" Trainerin: Silke Westrich, die seit vielen Jahren solche Kurse in Kaiserslautern anbietet.

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SWR Bericht
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Ratgeber: Selbstverteidigung

Landesschau Rheinland-Pfalz, 21.5.2012 | 7:02 min

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Groß und stark wirken

Für Silke Westrich einer der wichtigsten Sätze der Selbstverteidigung: „Täter suchen Opfer und keine Gegner!“ Was bedeutet, dass Sie schon allein durch eine selbstbewusste Körpersprache vieles dafür tun können, gar nicht erst angegriffen zu werden.

Selbstbewusste Körpersprache bedeutet unter anderem: aufrechter Gang, klarer Blick, ein eher männlicher Stand mit schulterbreit aufgestellten Füßen und geradem Rücken.

In keinem Fall aber sollte diese Haltung provozierend rüberkommen. Im Klartext: kein lang fixierender Blick in die Augen, keine überhebliche Kopfgestik, kein Aufpumpen des Brustkorbes, denn das könnte herausfordernd wirken. Der Körper sollte vielmehr ausdrücken: „Ich bin gewappnet, ich lass mir nichts gefallen. Lass Du mich in Ruhe, dann lass ich Dich in Ruhe!“

De-Eskalieren

Oft sind es Kleinigkeiten, die darüber entscheiden, ob eine Situation eskaliert oder nicht. Droht man zum Beispiel in eine Schlägerei zu geraten, gibt Silke Westrich den Tipp, nicht die Fäuste zum Schutz in die Luft zu recken, sondern immer die flachen Hände. Diese bieten dem Körper erst mal genau so viel Schutz, sagen dem Täter aber: „Ich schütze mich vor Dir. Hör auf!“ statt: „Hier bin ich, lass uns kämpfen!“

Die richtige De-Eskalationsstrategie ist gerade bei Pöbeleien – auch und gerade wenn man als Helfer dazwischen geht - enorm wichtig.

Mit Worten, aber auch mit Gestik kann man sowohl dazu beitragen, Aggressionen runter zu kochen als auch zu provozieren.

Radau machen

Viele gerade ältere Menschen haben Hemmungen laut zu sein und sich zu wehren. Sie denken, wenn ich ganz still bin, dann lässt mich der Täter in Ruhe, aber es ist oft genau umgekehrt!

Wichtig ist: Versuchen Sie schnell zu begreifen, auf was es der Angreifer abgesehen hat!

Will er Ihr Hab und Gut und hat evtl. eine Waffe dabei, dann wäre es tatsächlich unklug, sich zu wehren. Geben Sie all das her!

Will ein Angreifer aber provozieren, pöbeln und sich schlagen oder womöglich vergewaltigen, dann müssen Sie laut sein, auf sich aufmerksam machen, sich mit allem zur Wehr setzen, denn solche Täter hören nicht auf, wenn Sie still und leise sind, sondern machen im Gegenteil immer weiter.

Also dann: laut sein, schreien, Mitmenschen zu Hilfe rufen, in dem Sie sie ganz konkret ansprechen: „Sie da in dem blauen Pullover, helfen Sie mir!“

Befreiungsgriffe

Hat Sie ein Täter wirklich am Wickel, sollten Sie versuchen, sich nach folgendem Muster zu befreien:

1. Schockieren: etwas Überraschendes tun: zum Beispiel treten, beißen, spucken, kratzen, in empfindliche Körperregionen stoßen, dann lässt ein Täter instinktiv kurz locker. Können Sie sich jetzt schon losreißen, dann nix wie weg! Sonst geht’s weiter mit:

2. Befreien: Für jede Art von Angriff gibt es den passenden Befreiungsgriff. Diese sind in Worten schwierig zu erklären. Einige davon werden in unserem Landesschau-Beitrag gezeigt, noch besser aber ist es, Sie besuchen einen Selbstverteidigungskurs an der VHS, im Sportverein, in einer Kampfsportschule oder bei Silke Westrich. Dann erfahren Sie am eigenen Leib, dass sich auch ein körperlich unterlegener Mensch gut wehren kann, wenn er die richtigen Griffe kennt.

3. Wegkommen. Nach der Befreiung bleiben viele Menschen instinktiv wie angewurzelt stehen. Deshalb ist es wichtig, auch das Wegrennen zu trainieren. Laufen Sie nie in dunkle Ecken oder hinter Büsche, um sich zu verstecken, sondern im Gegenteil ins Helle, Belebte, zu anderen Menschen, befahrenen Straßen. Der Täter will keine Zeugen, er wird von Ihnen lassen, wenn ihm sonst droht, entdeckt zu werden.

Waffen aus der Handtasche

Die meisten von uns haben viele Waffen dabei, ohne es zu ahnen.

Ein Handy in der Faust kann die Schlagkraft erhöhen, ein Lippenstift, auf dem Kehlkopf platziert, kann einen Angreifer zum Taumeln bringen, ein Haarspray vernebelt ihm die Sicht.

Es gibt eine Vielzahl von Möglichkeiten. Aber diese Waffen sind nur gut, wenn Sie sie gerade in der Hand halten. Bevor Sie ewig danach suchen müssen, verteidigen Sie sich lieber schnell mit Händen und Füßen.

Wenn Sie jedoch eine dunkle Straße entlanglaufen, ist ein Handy in der Hand sowieso nicht verkehrt. In diesem Fall brauchen Sie es nicht wegwerfen, um sich zu verteidigen, setzen Sie es dann ein!

Und beim Joggen im Wald, gibt Ihnen ein Schlüsselbart zwischen den Fingern gleich zweimal Sicherheit: Sie haben fast sowas wie einen Schlagring in der Hand und Sie kommen schneller ins Auto.

Waffen geben ein sicheres Gefühl und das lässt Sie wiederum eine ganz andere Körperhaltung einnehmen, eine Haltung die sagt:

Lass mich lieber in Ruhe, im Fall der Fälle bin ich kein gutes Opfer, sondern ein harter Gegner!

 

IT-Support Marcus Käfer
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